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Teil 2: Business Process Outsourcing – Kooperation als sicherer Hafen

16. September 2021

“Outsourcing und der Wechsel auf SaaS-Lösungen mögen auf den ersten Blick helfen, um die Cost-to-Serve (CtS) zu senken und damit dem steigenden Kostendruck zu begegnen. Eine skalenorientierte Kooperation auf Augenhöhe verwirklicht schon heute Synergien und bietet die Möglichkeit Prinzipien moderner IT-Architekturen kontinuierlich zu realisieren.“

Andreas Mönter, Enterprise Solution Architect, items GmbH

Wir haben euch bereits vor ein paar Tagen vorgestellt, welche Herausforderungen Business Process Outsourcing bewältigen muss, um tatsächlich die Cost-to-Serve reduzieren zu können. Heute zeigen wir euch, wie serviceorientierte Architekturen die Ziele einer Kooperation weiter fördern können. Wenn ihr den ersten Teil verpasst habt, könnt ihr ihn hier nochmal nachlesen.

Technologiewandel und neue Betreibermodelle

Die fortschreitende Digitalisierung und die Entwicklung zu Cloudanwendungen machen neue Betreibermodelle möglich. Dadurch sind in den letzten Jahren neue Akteure auf den Markt der Systemanbieter gekommen, die den Wunsch nach Standardisierung und Verschlankung aufgegriffen haben. Parallel entwickelt die SAP SE als größter Anbieter auf dem Systemanbietermarkt für Energieversorger mit dem S/4HANA Utilities die nächste Generation ihrer Abrechnungslösung. Dabei folgt auch sie dem Trend, das Kernsystem effizient bereitzustellen und kundeneigene Anpassungen über unterschiedliche Methoden außerhalb dieses Kerns abzubilden. Der Wandel auf dem Markt der Systemanbieter ist jedoch noch im Gange und eine Entscheidung für oder gegen eine Lösung ist aktuell mit einer signifikanten Unsicherheit verbunden.

Mit der sich verändernden Architektur und dem Auftritt neuer Akteure haben sich auch die Betreibermodelle gewandelt, es sind neue Formen entstanden. In der Vergangenheit unterschieden sich die Modelle nur im Betrieb von On-Premise-Lösungen, d. h. lokaler und individueller Installationen, im eigenen oder einem fremden Rechenzentrum. Die Pflege und Weiterentwicklung der Systeme lagen in den Händen der eigenen IT oder eines Dienstleisters. Als ein wesentliches, neues Modell zeichnen sich cloudbasierte Software-as-a-Service-Lösungen ab. Hierbei ist der Funktionsumfang des Systems sehr stark standardisiert und wird vom Hersteller mehr oder weniger vorgegeben. Durch diese Standardisierung kann die Infrastruktur von mehreren Kunden parallel genutzt werden und auch die Wartung ist einfacher zu realisieren. Notwendige Erweiterungen lassen sich durch Apps von Drittherstellern und die Nutzung von webbasierten Schnittstellen (API) ergänzen. Auch die Preismodelle unterscheiden sich maßgeblich und sind in der Regel mengenbasiert als Pay-as-you-grow-Verfahren realisiert. Im ersten Vergleich zur bestehenden Systemlandschaft erscheinen diese Modelle als günstiger bzw. transparenter und werden vermehrt nachgefragt.

Kooperation als sicherer Hafen und starke Gemeinschaft

Die Entwicklung von Template-Lösungen wie das Billing4us (s. Erläuterungsfeld) nahmen diese Entwicklung vorweg und boten den beteiligten Partnern, die Möglichkeit sich Infrastruktur, Pflege und Weiterentwicklung zu teilen. Hierdurch konnten auch die Cost-to-Serve trotz wachsender Komplexität stabil gehalten werden und liegen für das o. g. Beispiel gleichauf mit aufkommenden SaaS-Lösungen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Kooperations- und SaaS-Modell aktueller Prägung liegt in der Verantwortung für den Funktionsumfang. Im Template bestimmt diesen die Gemeinschaft, während dies im SaaS-Modell durch den Hersteller vorgegeben wird.

Billing4us

Die Trennung des Netzbetreibers und des Lieferanten nahmen vor etwa zehn Jahren vier Stadtwerke (Münster, Osnabrück, Kassel und Lübeck) und die items zum Anlass ein gemeinsames Template zu entwickeln. In den Folgejahren wuchs die Gemeinschaft auf insgesamt acht Netzbetreiber und sechs Lieferanten. In der Template-Lösung basierend auf SAP IS-U werden aktuell ca. 4 Millionen Zählpunkte abgebildet. Die Kooperation wurde 2016 mit dem Stadtwerke Award des VKU ausgezeichnet.

Der technologische Wandel und der Trend weg von monolithischen Strukturen machen aber auch vor Template-Lösungen nicht halt. Serviceorientierte Architekturen (Abbildung 2) können das Ziel einer Kooperation – Standardisierung wo möglich, Individualität wo nötig – begünstigen und ermöglichen es, diese für die Zukunft zu rüsten. Das Abrechnungssystem bildet den Kern dieser zukünftigen Architekturen. Dieser Nukleus ist möglichst stabil zu halten und bietet ein hohes Maß an Effizienz und Automatisierung in der Prozessbearbeitung. Wettbewerbsdifferenzierende Fähigkeiten werden außerhalb in einem Application Layer abgebildet. Dieser Layer ist auch der Ort für Experimente und „Schnellboote“. Eine Integrationsschicht verbindet den Kern horizontal mit dem Application Layer, während das Processmanagement die Prozesskontinuität über die Systeme sicherstellt.

Das zukünftige Betriebsmodell eines Templates orientiert sich ebenfalls an SaaS-Modellen. Der Wunsch der Partner ist in einem ersten Schritt beispielsweise, die Marktkommunikation in einem „as-a-Service-Ansatz“ abzubilden und die regelmäßigen Formatwechsel und regulatorischen Anpassungen zentral durch die items als Dienstleister zu konzeptionieren, umzusetzen und zu testen. In der Vergangenheit konnten die externen Kosten für die Umsetzung von regulatorischen Projekten (wie z. B. die halbjährlichen Formatänderungen) in der Kooperation auf breite Schultern verteilt werden. In Zukunft sollen durch den „as-a-Service-Ansatz“ interne Ressourcen noch stärker entlastet werden.

Der Wechsel zu einer serviceorientierten Architektur und die Umstellung hin zu einem „as-a-Service-Ansatz“ lassen sich im Verbund schrittweise entwickeln und ein früher Systemwechsel ist damit nicht zwingend notwendig. Somit bietet die Kooperation einen sicheren Hafen, um die Entwicklungen auf dem Systemanbietermarkt zu beobachten und im richtigen Moment den Technologiewechsel im Kernsystem anzugehen. Markus Suckau, Bereichsleiter Kundenmanagement und Abrechnung der Städtischen Werke Kassel, betont dies aus Sicht eines Partners: „Aus der Branche sind mir unterschiedliche Ansätze und Betriebsmodelle bekannt. Eine Kooperation auf Augenhöhe wie Billing4us ist dabei ein guter Weg, die Vorteile verschiedener Optionen zu kombinieren und die Bedürfnisse des einzelnen Stadtwerks in die zukünftige Entwicklung mit einzubringen.“

Ein Template, mit dem eine enge Kooperation der Partner verbunden ist, bietet über den reinen Systembetrieb noch weitere Mehrwerte. Der Austausch über Strategien, Geschäftsmodelle und Erfahrungen bei der Umsetzung kann auf allen Seiten bereichernd sein, ohne Individualität aufzugeben. Gerade der gemeinsame Weg auf ein „as-a-Service-Modell“ kann dabei helfen, das notwendige Umdenken zu meistern.

Fazit

Die steigende Kostensensibilität bei den Energieversorgen rückt die Cost-to-Serve der IT in den Fokus. Mit dem Outsourcing und dem Wechsel zu einem anderen Betreibermodell werden die Hoffnungen verbunden, diese signifikant zu senken. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen an Schnelligkeit und Flexibilität in der Umsetzung von neuen Produkten und Lösungen, um so neue Geschäftsmodelle bedienen zu können.

Vor dem Auslagern der IT sollte allerdings die Analyse der Kostenstrukturen im Unternehmen stehen und die eigenen Prozesskosten miteinschließen, um ein Gesamtbild zu erhalten und Potenziale einschätzen und entlang der gesamten Prozesskette bewerten zu können.

Eine Kooperation auf Augenhöhe aller Beteiligten ermöglicht es schon heute den „as-a-Service-Effekt“ wirksam werden zu lassen. Serviceorientierte Architekturen können die Ziele einer Kooperation weiter fördern, ohne dies voreilig mit einem Systemanbieterwechsel verbinden zu müssen. Darüber hinaus bietet die Gemeinschaft die Chance, auch in anderen Feldern zusammenzuarbeiten und die Herausforderungen der Zukunft proaktiv anzupacken.

Andreas Mönter

Enterprise Solution Architect
Andreas Mönter ist Enterprise Solution Architect. Mit seinem ganzheitlichen Blick auf Unternehmensprozesse entwickelt er passgenaue Lösungen für unsere Kunden. Hierbei liegt sein Fokus auf den Potenzialen neuer SAP-Anwendungen, den Blick über den Tellerrand scheut er dabei aber nicht. Als Verfechter neuer Arbeitsweisen treibt er im “items-goes-Agile"-Team die agile Transformation innerhalb der items voran. Dafür kommen dem Wirtschaftsingenieur seine Erfahrungen als Projekt- und Programmleiter zu Gute.

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