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Energiewende automatisieren – PV-Boom mit RPA meistern

21. Juni 2022

In naher Zukunft sind auf Seiten der Netzbetreiber massive Mehraufwände durch erhöhte PV-Bebauung zu erwarten. Wir zeigen, wie diese Mehraufwände mithilfe von Robotic Process Automation (RPA) aufgefangen werden können.

Massiver Mehraufwand durch erwarteten PV-Boom

Photovoltaikanlagen werden in einer nachhaltigen Energiezukunft eine zentrale Rolle bei der Erreichung der Klimaziele einnehmen. Dafür ist ein massiver Ausbau der installierten PV-Leistung notwendig. Im sogenannten EEG-Osterpaket beschloss das Kabinett im April 2022, dass „die Stromversorgung bis zum Jahr 2035 nahezu vollständig auf erneuerbaren Energien beruhen“ soll. Bis 2030 soll die Leistung der deutschlandweit installierten Solaranlagen von heute 59 Gigawatt auf 215 Gigawatt ansteigen – bis 2040 sind 400 Gigawatt als Ziel aufgerufen.

PV-Anlagen werden für gewerbliche Neubauten zukünftig verpflichtend und sollen für private Neubauten die Regel werden. Zu diesem Zweck wird die Einspeisevergütung auf bis zu 12,5 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die überwiegende Zahl der für Photovoltaik geeigneten Dächer immer noch ungenutzt. Während Baden-Württemberg bereits eine Solardachpflicht umgesetzt hat (private Bauherren, die ab Mai 2022 einen Bauantrag stellen, müssen eine Anlage einbauen), gibt es diese in Berlin und Hamburg erst ab 2023. Umfragen zufolge werden rund 25 % der deutschen Hauseigentümer 2022 in eine PV-Anlage investieren. Davon ausgehend erhöht sich die Anzahl der PV-Anlagen im Vergleich zu 2021 um das 17,5-fache auf 3,5 Millionen Anlagen.

Selbst bei konservativen Schätzungen ist ein enormer Nachfrageboom bei Solaranlagen zu erwarten, der die Verteilnetzbetreiber vor große Herausforderungen stellen wird, denn neben der physischen Installation der Photovoltaikanlagen auf den Dächern muss jede Photovoltaikanlage im ERP-System des VNB aufgebaut, entsprechend administriert und gegen das Marktstammdatenregister geprüft werden.

Wie dieser enorme Mehraufwand mithilfe von RPA aufgefangen werden kann, wollen wir in unserem heutigen Blogbeitrag näher beleuchten. Falls ihr RPA noch nicht kennt oder ihr sehen wollt, wie energiewirtschaftliche Kernprozesse mithilfe von RPA automatisiert werden können, dann klickt zunächst hier.  

Pflichten der Verteilnetzbetreiber

Die Anlagenbetreiber sind verpflichtet, neue Photovoltaikanlagen im Markstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu registrieren. Darüber hinaus müssen Sie einen Vertrag mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber (VNB) abschließen, damit die Einspeisevergütung erfolgen kann. Nach der Registrierung im MaStR erstellt die BNetzA für den zuständigen VNB einen Ticketprozess zur Netzbetreiberprüfung und fordert ihn mit diesem auf, die Prüfung innerhalb von 4 Wochen abzuschließen. Hierfür muss der VNB die ihm vom Anlagenbetreiber im Rahmen des Vertragsschlusses übermittelten Daten sowie die Daten aus dem vom Installateur bereitgestellten Inbetriebnahmeprotokoll gegen die vom Anlagenbetreiber im MaStR registrierten Daten abgleichen.

Es ist es sinnvoll, dass der VNB die Anlage zunächst in seinem ERP-System aufbaut (beispielhaft beschreiben wir den Vorgang im SAP IS-U), um anschließend die Netzbetreiberprüfung im MaStR durchführen zu können. Häufig kommt es hierbei zu Verzögerungen, da Inbetriebnahmeprotokoll oder Daten des Anlagenbetreibers noch nicht vorliegen. In diesem Fall bietet das MaStR die Möglichkeit, einen Antrag auf Fristverlängerung zu stellen, mit der Begründung „Inbetriebnahmeprotokoll oder andere prüfungsrelevante Unterlagen liegen nicht vor“. Die Bearbeitung der MaStR-Tickets kostet die Verteilnetzbetreiber eine Menge Zeit, wie unsere Beispielrechnung zeigt:

PV-Neuanlagengenerator

Der Aufbau einer PV-Neuanlage im SAP IS-U (oder einem alternativen ERP-System) eignet sich aufgrund seiner wiederkehrenden und standardisierten Anforderungen hervorragend für eine Automatisierung mithilfe von RPA. Um eine PV-Anlage im SAP IS-U aufzubauen, müssen diese Schritte durchlaufen werden:

  • Anlagenaufbau
    • Erzeugung von Einspeiseanlage und Marktlokation
    • Anlegen der Lastprofile
  • Zählereinbau
    • Abrechnungstechnischer Zählereinbau
    • Unterscheidung zwischen Voll- und Überschusseinspeisung
  • Zählpunktpflege
    • Zählpunktbeziehung zwischen Mess- und Marktlokation pflegen
    • Bilanzierungseinheit pflegen
  • Einzug
    • Aufbau des Vertrages zwischen Betreiber und VNB
    • Pflege der individuellen Anlagenfakten

Wie ein RPA-Roboter diese Aufgabe meistert, seht ihr in diesem Video:

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Netzbetreiberprüfung im Marktstammdatenregister

Jede neu installierte PV-Neuanlage muss in das MaStR eingetragen werden. Zu jeder dieser Anlagen wird durch das MaStR ein Ticket erstellt, das vom zuständigen Verteilnetzbetreiber bearbeitet werden muss. Neben der Bearbeitung dieser neuen PV-Anlagen sind zusätzliche Tickets zu bearbeiten, die größtenteils aus Wiedervorlagen nach Stammdatenänderungen von Anlagenbetreibern im MaStR resultieren.

Die Netzbetreiberprüfung im MaStR folgt ebenso wie der Aufbau von PV-Anlagen einer wiederkehrenden Logik und lässt sich somit ebenfalls perfekt mit RPA automatisieren. Der Prozess besteht aus zwei Subprozessen:

  1. Alle anstehenden Netzbetreiberprüfungen („Ticketprozesse“) aus dem MaStR laden und lokal speichern
  2. Ticketbearbeitung

Jedes Ticket zur Netzbetreiberprüfung wird mit dem abgebildeten Geschäftsprozess bearbeitet. Im Kern geht es darum, die Betreiber- und Anlagendaten zwischen ERP-System und MaStR abzugleichen. Die Kommunikation mit dem MaStR erfolgt hierbei durch die von der BNetzA bereitgestellten Webdienste, die Kommunikation mit dem ERP-System über die jeweilige grafische Benutzeroberfläche. Die Befugnisse des Roboters und die zu prüfenden Daten sind dabei frei konfigurierbar.

Wenn ihr auch diesem Roboter einmal bei der Arbeit über die Schulter schauen wollt, dann klickt einfach hier:

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Fazit

Die zunehmende PV-Bebauung wird für Netzbetreiber mit signifikanten Mehraufwänden einhergehen. Mithilfe von RPA-Robotern lassen sich diese Mehraufwände kostengünstig abfangen. So werden Mitarbeiter entlastet und Bearbeitungszeiten reduziert. Damit lassen sich Kosten bereits kurzfristig senken: Alle PV-Anlagen unter 30 kWp können zu 100 % automatisiert in ihrem ERP-System aufgebaut werden. Aus unserer Erfahrung lassen sich bis zu 80 % der Tickets zur Netzbetreiberprüfung aus dem Marktstammdatenregister mit RPA fallabschließend bearbeiten.

Interessiert ihr euch für diese oder andere RPA-Automatisierungen, meldet euch gerne bei uns. Wenn euch der Artikel gefallen hat, könnt ihr hier unseren Blog abonnieren.

Marvin Kaltmeyer

Produktentwickler RPA
Marvin Kaltmeyer ist Produktentwickler im Bereich Robotic Process Automation und Social Media Manager bei der items. Er entwickelt Automatisierungen für unterschiedlichste Kundensysteme und interne Abteilungen, um den Kunden und seinen Mitarbeitern lästige und zeitaufwendige Aufgaben abzunehmen. Darüber hinaus beschäftigt er sich kreativ mit der Content Planung, aber auch mit Community Management und Performance Management. Nach der Arbeit fährt er gern Ski oder Inline-Skates, segelt, hört viel Musik oder schaut einfach nur Fußball.

Maximilian Gerhards

Entwickler und Administrator RPA
Maximilian Gerhards ist Entwickler und Administrator im Bereich Robotic Process Automation bei der items. Er verantwortet die Entwicklung von Prozessautomatisierung, Frameworks und Klassenbibliotheken, den Aufbau und die Administration der RPA-Infrastruktur und die Koordination der Entwicklungstätigkeiten. Nicht nur beruflich, sondern auch privat konzipiert, entwickelt und konstruiert er. Nur weniger Roboter und eher analoge Elektrogeräte wie Audioverstärker.

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